
Steuerfachwirt: Aufwertung auf Bachelor-Niveau durch DQR-Einstufung
Julia Müller
Lesezeit ca. 6 Minuten / veröffentlicht am
Übersicht
Der Steuerfachwirt erfährt eine historische Aufwertung: Seit dem 1. August 2025 ist dieser Fortbildungsabschluss offiziell auf dem Niveau 6 des Deutschen Qualifikationsrahmens (DQR) eingestuft und damit einem Bachelor-Abschluss gleichgestellt. Diese Entscheidung der DQR-Gremien stärkt die berufliche Bildung in der Steuerberatung erheblich und macht die hohe Qualität dieser Qualifikation europaweit sichtbar.
Die Bundessteuerberaterkammer (BStBK) hatte sich seit Langem für diese Anerkennung eingesetzt und kann nun einen wichtigen Erfolg verbuchen. Auf Initiative der BStBK beschlossen die Gremienmitglieder des DQR, das Kompetenzniveau des Steuerfachwirts erstmals zuzuordnen. Diese Entwicklung eröffnet Steuerfachwirten neue Karriereperspektiven und stärkt ihre Position am Arbeitsmarkt.
Die Einstufung auf Bachelor-Niveau unterstreicht die Komplexität und den Anspruch der Steuerfachwirt-Fortbildung. Sie erkennt an, dass Steuerfachwirte eigenverantwortlich komplexe fachliche Aufgaben übernehmen, Problemstellungen analysieren und Prozesse in ihrem beruflichen Umfeld steuern – Kompetenzen, die in der Praxis unverzichtbar sind.
Was bedeutet DQR-Niveau 6?
Gleichstellung mit Bachelor-Abschlüssen
Das DQR-Niveau 6 entspricht dem Qualifikationstyp "Bachelor und gleichgestellte Abschlüsse" und beschreibt Kompetenzen zur Planung, Bearbeitung und Auswertung von umfassenden fachlichen Aufgaben- und Problemstellungen. Inhaber dieser Qualifikation sind befähigt zur eigenverantwortlichen Steuerung von Prozessen in Teilbereichen eines wissenschaftlichen Faches oder in einem beruflichen Tätigkeitsfeld.
Die Anforderungsstruktur auf diesem Niveau ist durch Komplexität und häufige Veränderungen gekennzeichnet. Dies spiegelt perfekt die Realität in der Steuerberatung wider, wo sich Gesetze und Vorschriften kontinuierlich ändern und komplexe Sachverhalte bearbeitet werden müssen.
Der Deutsche Qualifikationsrahmen ist ein Instrument zur Einordnung der Qualifikationen des deutschen Bildungssystems, das zur Vergleichbarkeit dieser Qualifikationen in Europa beiträgt. Es gibt acht Niveaus, die denen des Europäischen Qualifikationsrahmens (EQR) entsprechen.
Europäische Anerkennung und Mobilität
Die DQR-Einstufung macht die Qualifikation des Steuerfachwirts nicht nur national, sondern auch europaweit vergleichbar. Dies ist besonders wichtig für die internationale Mobilität von Fachkräften und die Anerkennung deutscher Qualifikationen im Ausland.
Die Einstufung wird in der DQR-Qualifikationsdatenbank geführt, die einmal jährlich aktualisiert wird. Seit dem 1. August 2025 ist die Steuerfachwirt-Qualifikation dort gelistet und über die DQR-Webseite abrufbar. Absolventen dürfen den Hinweis zum DQR-Niveau auch auf ihren Abschlusszeugnissen führen.
Bedeutung für Steuerfachwirte
Neue Karrierechancen und Anerkennung
BStBK-Präsident Prof. Dr. Hartmut Schwab betont die Tragweite dieser Entwicklung: "Die Einstufung wertet die berufliche Fortbildung zum Steuerfachwirt weiter auf und macht die hohe Qualität des Abschlusses europaweit sichtbar. Jetzt ist die Fortbildung auf einer Stufe mit dem akademischen Bachelorabschluss. Dadurch gewinnt der Beruf nicht nur an Attraktivität, sondern eröffnet engagierten Fachkräften auch neue Entwicklungsperspektiven."
Diese Aufwertung kann sich positiv auf Gehaltsverhandlungen auswirken, da die Qualifikation nun offiziell einem Bachelor-Abschluss entspricht. Viele Unternehmen orientieren ihre Vergütungsstrukturen an formalen Qualifikationsniveaus, wodurch Steuerfachwirte von besseren Eingruppierungen profitieren können.
Verbesserte Positionierung am Arbeitsmarkt
Die Bachelor-Gleichstellung stärkt die Position von Steuerfachwirten gegenüber Hochschulabsolventen. Während früher teilweise Vorbehalte gegenüber beruflichen Fortbildungsabschlüssen bestanden, ist nun eine klare Gleichwertigkeit etabliert. Dies kann bei Bewerbungen und Karriereentscheidungen von entscheidender Bedeutung sein.
Besonders in größeren Unternehmen und internationalen Konzerne, wo formale Qualifikationsniveaus oft wichtige Kriterien für Beförderungen sind, eröffnet die DQR-Einstufung neue Möglichkeiten. Steuerfachwirte können nun gleichberechtigt mit Bachelor-Absolventen um Führungspositionen konkurrieren.
Weg zum Steuerfachwirt
Voraussetzungen und Prüfung
Der Steuerfachwirt ist eine anerkannte Fortbildung nach dem Berufsbildungsgesetz, die auf der Ausbildung zum/zur Steuerfachangestellten aufbaut. Voraussetzung ist in der Regel eine abgeschlossene Ausbildung als Steuerfachangestellte/r und mehrjährige Berufserfahrung in der Steuerberatung.
Die Fortbildung kann berufsbegleitend absolviert werden und dauert typischerweise 12 bis 24 Monate. Sie umfasst sowohl steuerrechtliche als auch betriebswirtschaftliche Inhalte und bereitet auf komplexe Beratungsaufgaben vor. Die Prüfung erfolgt vor der jeweiligen Steuerberaterkammer.
Inhalte und Kompetenzen
Die Steuerfachwirt-Fortbildung vermittelt umfassende Kenntnisse in allen Bereichen der Steuerberatung. Dazu gehören vertiefte Kenntnisse im Steuerrecht, Bilanzierung, Betriebswirtschaft und Beratungsmethodik. Absolventen sind befähigt, eigenständig komplexe steuerliche Sachverhalte zu bearbeiten und Mandanten zu beraten.
Die neue DQR-Einstufung erkennt diese umfassenden Kompetenzen offiziell an und stellt sie auf eine Stufe mit akademischen Bachelor-Abschlüssen. Dies unterstreicht den hohen Anspruch und die Praxisrelevanz der Fortbildung.
Vergleich mit anderen Qualifikationen
Abgrenzung zu anderen Fortbildungen
Mit der DQR-Einstufung ist der Steuerfachwirt nun klar von anderen Qualifikationen abgegrenzt. Während die Ausbildung zum/zur Steuerfachangestellten auf DQR-Niveau 4 eingestuft ist, erreicht der Steuerfachwirt mit Niveau 6 die Bachelor-Stufe. Der Steuerberater als höchste Qualifikation entspricht DQR-Niveau 7 (Master-Niveau).
Diese klare Hierarchie macht Karrierewege transparenter und zeigt Entwicklungsmöglichkeiten auf. Gleichzeitig wird die Bedeutung der beruflichen Fortbildung gestärkt und als gleichwertige Alternative zum Hochschulstudium positioniert.
Zugang zur Steuerberaterprüfung
Ein wichtiger praktischer Vorteil: Steuerfachwirte können sich bereits nach drei Jahren praktischer Tätigkeit zur Steuerberaterprüfung anmelden, statt der sonst erforderlichen zehn Jahre für Steuerfachangestellte ohne Fortbildung. Dies macht den Steuerfachwirt zu einem wichtigen Baustein auf dem Weg zum Steuerberater.
Die neue DQR-Einstufung unterstreicht die Bedeutung dieses Qualifikationswegs und könnte zu einer verstärkten Nachfrage nach der Steuerfachwirt-Fortbildung führen.
Auswirkungen auf die Branche
Stärkung der beruflichen Bildung
Die DQR-Einstufung des Steuerfachwirts stärkt die gesamte berufliche Bildung in der Steuerberatung. Sie zeigt, dass praxisorientierte Fortbildungen gleichwertig zu akademischen Abschlüssen sind und hochqualifizierte Fachkräfte hervorbringen.
Dies könnte dazu beitragen, mehr junge Menschen für die berufliche Laufbahn in der Steuerberatung zu begeistern. Angesichts des dramatischen Fachkräftemangels in der Branche ist dies ein wichtiger Beitrag zur Nachwuchssicherung.
Image-Verbesserung der Steuerberatung
Die offizielle Anerkennung des Steuerfachwirts auf Bachelor-Niveau verbessert das Image der gesamten Steuerberatungsbranche. Sie unterstreicht den hohen fachlichen Anspruch und die Professionalität der Berufe in diesem Bereich.
Für Steuerkanzleien kann die DQR-Einstufung ihrer Mitarbeiter ein wichtiges Argument in der Mandantenakquise sein. Mandanten erkennen zunehmend den Wert qualifizierter Beratung und schätzen nachweisbare Qualifikationen.
Zusammenfassung
Die Einstufung des Steuerfachwirts auf DQR-Niveau 6 markiert einen Meilenstein für die berufliche Bildung in der Steuerberatung. Seit August 2025 ist diese Qualifikation offiziell einem Bachelor-Abschluss gleichgestellt, was neue Karrierechancen eröffnet und die hohe Qualität der Fortbildung europaweit sichtbar macht.
Diese Aufwertung ist das Ergebnis langjähriger Bemühungen der Bundessteuerberaterkammer und erkennt die komplexen Kompetenzen an, die Steuerfachwirte in ihrer täglichen Arbeit einsetzen. Von der Planung umfassender fachlicher Aufgaben bis zur eigenverantwortlichen Steuerung von Prozessen entsprechen ihre Fähigkeiten nun offiziell dem Bachelor-Niveau.
Für aktuelle und zukünftige Steuerfachwirte bedeutet dies verbesserte Positionierung am Arbeitsmarkt, neue Karrieremöglichkeiten und verstärkte Anerkennung ihrer Qualifikation. Die Einstufung stärkt zudem die gesamte berufliche Bildung in der Steuerberatung und trägt zur Lösung des Fachkräftemangels bei.
Mit der offiziellen Aufnahme in die DQR-Qualifikationsdatenbank und der Möglichkeit, das Niveau auf Abschlusszeugnissen zu führen, wird diese Aufwertung auch praktisch wirksam. Der Steuerfachwirt hat damit einen wichtigen Schritt in Richtung vollständiger Gleichberechtigung mit akademischen Abschlüssen gemacht.
Quellen:
